Strahlenschutz - auch beim Militär - Ein Résümee

Die Strahlenschutzpraxis befindet sich im 25. Jahrgang und doch hat sich bisher noch kein Schwerpunkt mit Strahlenschutz beim Militär befasst.

Es liegt nahe, zunächst dabei an Fragen der ABC-Abwehr zu denken, heute vielleicht auch noch an nuklearen Terrorismus. Doch sind die Aufgaben weit vielfältiger und haben eine große Breite.

Da ist der operative Strahlenschutz, aber auch die Wahrnehmung von Aufgaben, die in Deutschland von Landesbehörden wahrgenommen werden. In der Tat ist die Bundeswehr länderübergreifend für ihre Strahlenschutzangelegenheiten einschließlich der behördlichen Aufsicht selber zuständig, in diesem Sinne als 17. Bundesland eben.

Bei der Bundeswehr ist der technische Strahlenschutz Teil des Arbeitsschutzes. Abgedeckt wird die ganze Bandbreite von NIR, über Röntgen und NORM bis zu radioaktiven Stoffen. Es gelten die gleichen gesetzlichen Regelungen wie für zivile Arbeitgeber. Mögliche Ausnahmen (um den militärischen Auftrag erfüllen zu können) werden im Frieden sehr restriktiv gehandhabt und durch Auflagen dasselbe Sicherheitsniveau gesichert wie sonst in der Bundesrepublik.

Die rechtlichen Regelungen werden in Vorschriften der Bundeswehr praxisverständlich umgesetzt. Aufgaben fallen auch bei den Einsatzkontingenten im Ausland an. So werden Sachverständigenprüfungen an Röntgenanlagen durchgeführt.

In einer eigenen Dienststelle ist die öffentlich-rechtliche Aufsicht zusammengeführt. Deren Regionalstellen nehmen auch die den Gewerbeaufsichtsbehörden und Berufsgenossenschaften entsprechenden Aufgaben auf dem Gebiet der Überwachung des Strahlenschutzes wahr, so ggfls. die Bestimmung von Ersatzdosen.

Entsprechend den ärztlichen Stellen zur Qualitätssicherung in der Medizin wurde auch in der Bundeswehr eine ärztliche Stelle eingerichtet, die Aufgaben einzelner Stellen im zivilen Bereich zusammengefasst wahrnimmt.

Auch im militärischen Bereich müssen Ausbildungsmaßnahmen im Strahlenschutz durchgeführt werden. Die frühere ABC-Schule der Bundeswehr wandelte sich inzwischen in eine Schule „ABC-Abwehr und Gesetzliche Schutzaufgaben“. Strahlenschutzkurse verlagern sich zunehmend auf das Gebiet von elektromagnetischen Strahlungen.

Die Bandbreite umfasst aber auch die Schulung in Aufgaben der ABC-Abwehr bis hin zur ABC-Abwehr ‚aller Truppen‘.

Die Schule betreibt stationäre und mobile Laboratorien, die die Bundeswehr und im Rahmen der zivil-militärischen Zusammenarbeit auch zivile Stellen bei der radiologischen Aufklärung unterstützen.

Radiologische Großschadenslagen mit einer großen Anzahl von Betroffenen sind Szenarien auf die es vorbereitet zu sein gilt. Hier setzen die operativen Aufgaben des Instituts für Radiobiologie der Bundeswehr an. 

Zur Optimierung der Diagnostik und Versorgung von Patienten nach Exposition gegenüber radioaktiver Strahlung wird der aktuelle Wissensstand in praktische Handlungsoptionen übertragen. Eine mobile Task Force ist innerhalb von 24 bis 72 Stunden weltweit einsetzbar.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Diagnose der akuten Strahlenkrankheit mittels klinischer, biologischer und physikalischer Methoden. Das optimale Zeitfenster zur Triage, Diagnose und Einleitung notwendiger therapeutischer Maßnahmen beträgt ca. 3 Tage. Hochdurchsatzverfahren sind erforderlich. Dazu betreibt das Institut anwendungsorientierte Forschung.

Es sind eine Reihe verschiedener molekularbiologisch diagnostischer Ansätze etabliert, die ständig weiterentwickelt werden.

Aktuelle Forschungen zielen auf die Reduktion bestehender methodischer Limitierungen, die Neuentwicklung diagnostischer Verfahren und die Vertiefung unseres Verständnisses strahleninduzierter Schäden.

Zwei Artikel aus der Schweiz befassen sich mit der ABC-Abwehr (CBRN). Im Ereignisfall ist der Eigenschutz des Personals der Armee zu sichern und die Einsatzbereitschaft, auch der Infrastruktur, rasch wieder zu erlangen. Dazu hat die Schweizer Armee mehrere Formationen, die neben der radiologischen Lageklärung auch Dekontaminationsmaßnahmen durchführen können. Neben normalen Strahlenschutzmessgeräten werden auch Hubschrauber und gepanzerte Fahrzeuge eingesetzt.

Eine Besonderheit in der Schweiz ist die starke personelle Verzahnung von Milizarmee und zivilen Stellen.

Alles in allem beinhaltet der Strahlenschutz beim Militär interessante Aufgaben in großer Breite.

Peter Hill

Inhaltsverzeichnis Heft 3/2019 (PDF, 475 kB)

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