Empfehlungen des Clubs der Philosophen: Strahlenschutz heute - Erfolge, Probleme, Empfehlungen für die Zukunft

In weiten Kreisen des Strahlenschutzes wurde in den letzten Jahren ein Unbehagen über die gegenwärtige Situation des Strahlenschutzes geäußert und auch darüber, wie der Strahlenschutz von der Gesellschaft wahrgenommen wird. Dies betrifft sowohl fachliche Aspekte des Regelwerkes und dessen Umsetzung als auch – in besonderem Ausmaße – die Wahrnehmung von Radioaktivität, Strahlung und Strahlenschutz durch die Gesellschaft. Der Fachverband für Strahlenschutz für Deutschland und die Schweiz (FS) hat deshalb eine Arbeitsgruppe damit beauftragt, Grundsatzfragen des Strahlenschutzes zu diskutieren und Empfehlungen für die zukünftige Entwicklung des Strahlenschutzes auszuarbeiten. Das Ergebnis der Diskussionen ist dieses vom Direktorium des Fachverbandes für Strahlenschutz verabschiedete Positionspapier in einer leicht gekürzten Fassung.

Gliederung des Positionspapiers

Nach der Einleitung folgen die „Empfehlungen für die zukünftige Entwicklung des Strahlenschutzes“, thesenhaft zusammengefasst. Die Veranlassung zu den Empfehlungen wird dann in den folgenden 3 Kapiteln erläutert und begründet.

Im nächsten Kapitel „Geschichte des Strahlenschutzes – der Weg zu mehr Sicherheit“ wird die Entwicklung des Strahlenschutzes unter dem Fokus „Sicherheit“ dargestellt. Die historische Betrachtung des Strahlenschutzes belegt eine Erfolgsgeschichte.

Strahlenschutz ist die Grundlage zum sicheren Umgang mit Radioaktivität und Strahlung zum Wohle des Menschen. Angesichts der Bedrohung, die von Radioaktivität und Strahlung ausgehen können, wird guter Strahlenschutz auch in der Zukunft erforderlich sein. Strahlenschutz soll als Teil einer umfassenderen Sicherheitskultur verstanden und gelebt werden, um damit Sicherheit schaffen.

Im darauffolgenden Kapitel „Die natürliche Strahlung und deren Risiken – eine Referenzgröße für den Strahlenschutz“ werden die natürliche Strahlenexposition und deren örtliche und zeitliche Variation als Referenzgröße für die Beurteilung zusätzlicher Strahlenexpositionen aus menschlichen Tätigkeiten vorgestellt. Natürliche Radioaktivität und Strahlung sind allgegenwärtig und zum großen Teil unvermeidbar. Das durch sie bedingte Strahlenrisiko, sei es nur hypothetisch oder auch epidemiologisch quantifizierbar, ist ein naturgegebener Bestandteil der menschlichen Lebensbedingungen. Dieser unvermeidliche Anteil der natürlichen Strahlenexposition setzt den Bemühungen des Strahlenschutzes um Senkung von Dosen und Risiken eine natürliche untere Grenze. Die Reduzierung einzelner Beiträge zur Strahlenexposition auf unterhalb dieser natürlichen Grenze ist unverhältnismäßig, vergeudet Ressourcen und trägt eher zur Verunsicherung der Menschen bei. Das, was zählt, ist immer die gesamte Dosis, die eine einzelne Person erhält.

Im letzten Kapitel „Das Unbehagen der Strahlenschützer – Empfehlungen für die Zukunft“ werden die das allgemeine Unbehagen der Strahlenschützer verursachenden Probleme analysiert und diskutiert. Es werden Thesen als Grundlage für die zukünftige Ausgestaltung guten Strahlenschutzes aufgestellt und Empfehlungen zu dessen Weiterentwicklung ausgesprochen und begründet.

Was soll mit diesem Positionspapier weiter geschehen?

Ein Entwurf dieses Positionspapiers wurde zunächst den Mitgliedern des Fachverbandes für Strahlenschutz zur Diskussion und Kommentierung vorgelegt. Die Rückmeldungen der Mitglieder des FS waren ganz überwiegend äußerst positiv. Die umfangreichen editorischen und inhaltlichen Kommentare wurden dann von der Arbeitsgruppe in der Erstellung des Positionspapiers weitgehend berücksichtigt.

In einem nächsten Schritt soll dieses Positionspapier als Publikation des FS in einer internationalen Fachzeitschrift veröffentlicht und damit auch den internationalen Organisationen, z.B. der IRPA und der ICRP, zur Diskussion vorgestellt zu werden.

Rolf Michel, Hansruedi Völkle, Bernd Lorenz