Das „Modernisierte Neue deutsche Strahlenschutzrecht“: eine erste Einschätzung aus Praxiskreisen – ein Resümee

Nun, was lehrt uns das alles? Es geht doch nichts über Stabilität von Gesetzen und Regelungen. Aber da sind wir gerade am Scheideweg: neue Gesetze, neue Regelungen. Wir werden uns darauf einstellen müssen, auch wenn mir die Worte meiner Lieblinge, der Beatles, so überaus passend scheinen: „Yesterday, all my troubles seemed so far away. Now it looks as though they’re here to stay.“

Wir hatten im Strahlenschutz alles fast perfekt geregelt. Und nun wird alles durcheinandergewirbelt, sodass man scheinbar nichts mehr erkennt von der früheren Ordnung. Egal, da müssen nun alle durch, Anwender wie Behörden und die Gutachter haben ein neues Geschäftsfeld. Eigentlich ist es andererseits auch wieder nicht so schwierig, denn selbst die ICRP hatte 2007 „Stability and Continuity“ betont, als sie die Grundsatzempfehlung ICRP-Publication 103 veröffentlicht hatte. Übrigens wurde diese in der Metropole Essen verabschiedet, im Haus der Technik. Mal sehen, ob wir da mal ein Gedenkschild sehen.

Der Strahlenschutz ist nicht erst gestern erfunden worden. Die wesentlichen Grundlagen wurden bereits vor dem 2. Weltkrieg erschaffen, maßgebliche Erweiterungen folgten später in Bezug auf die stochastischen Schäden (Krebsentstehung) und eine ganz wesentliche war die Ausdehnung auf die Quellen natürlichen Ursprungs. Das wirft jetzt massive Schatten auf die NORM-Industrie und die Radon-Problematik. Wir haben das in dieser Ausgabe nicht schwerpunktmäßig thematisiert, aber das wird noch kommen. So gesehen werden die bewährten Strahlenschutzmaßnahmen wie die drei A (Abstand, Aufenthalt, Abschirmung) auch weiterhin Bestand haben, werden Ausbildung, Messtechnik und Überwachung weiter zentrale Säulen des Strahlenschutzes bleiben. Daran ändert auch ein neues Gesetz nichts, zum Glück.

Wer also bisher verantwortungsbewusst und fachkundig Strahlenschutz betrieben hat, muss sich keine Sorgen machen, auch wenn es zahllose Ordnungswidrigkeitstatbestände gibt.

Die wichtigste Person im Strahlenschutz bleibt der Strahlenschutzbeauftragte, dessen Stellung gestärkt wurde durch Kündigungsschutz und das Recht, im Konfliktfall direkt an die Aufsichtsbehörde heranzutreten. Was hoffentlich auch weiterhin die Ausnahme bleibt, denn ein Konsens mit dem Strahlenschutzverantwortlichen ist weiterhin ganz wichtig, auch für den Betriebsfrieden.

Die Verpflichtungen des Strahlenschutzverantwortlichen sind jetzt, im Unterschied zu früher, an gefühlt Hundert Stellen ausgeführt. Ich kann nur den SSBs empfehlen, diesmal mit dem SSV in einem persönlichen Gespräch durchzugehen. Das könnte ein Augenöffner sein, denn manchmal wird der Strahlenschutz vom SSV mit der Philosophie erledigt: “Das macht mein SSB, ich muss da gar nichts weiter tun“.

Mit unseren Beiträgen in dieser Ausgabe der SSP haben wir versucht, etwas Hilfe zu geben, wie man mit der neuen Rechtslage zurechtkommt. Vieles von dem, was vorher galt, gilt weiter. Es steht nur woanders. Machen Sie sich auf die Suche und wenn Sie nicht weiterkommen: „Ask the Expert“ ist eine Rubrik im Internet, die auch gut und gerne „Frag den Experten des FS“ heißen könnte.

Viel Glück bei der Bewältigung der neuen Aufgaben. Sie schaffen das!

Bernd Lorenz