Zwei nukleare Ereignisse in Russland

Ein Zwischenfall in der Nähe von Archangelsk sowie ein Ereignis im Jahre 2017 in Mayak beschäftigen derzeit Experten weltweit.

Bild: H. Schulze

Bei einem misslungenen Test auf einem Truppenübungsplatz in der Region Archangelsk kamen fünf Mitarbeiter der staatlichen Atomenergiegesellschaft Rosatom ums Leben. Es handelte sich laut Rosatom um die Erprobung eines Flüssigkeitsantriebssystems für Raketen mit Isotopen-Stromquellen. Andere Vermutungen gehen von einem Nuklear-Antrieb für Marschflugkörper aus. Drei der Arbeiter erlitten unterschiedlich schwere Verletzungen und Verbrennungen. Beim Unfall ist Radioaktivität freigesetzt worden. (Mitteilung von Rosatom hier, leider nur in Russisch)

Im Oktober 2017 meldeten viele Länder den atmosphärischen Nachweis von aerosolgebundenem Ruthenium-106. Die Entdeckung ließ auf eine beträchtliche Freisetzung schließen. In einer Veröffentlichung der Proceedings der National Academy of Sciences (PNAS) der U.S.A. wird nunmehr geschlussfolgert, dass aufgrund der Konzentrationsverteilung in der Luft und chemischer Zusammenhänge davon ausgegangen werden kann, dass die Freisetzung im südlichen Ural stattgefunden hat. Das Ru-106-Alter wurde auf etwa 2 Jahre geschätzt. Die Daten deuten auf eine Freisetzung aus der nuklearen Wiederaufbereitungsanlage Mayak im südlichen Ural hin. Das Modellalter des Ru-106 stützt die Annahme, dass Brennelemente wiederaufbereitet wurden, möglicherweise zur Erzeugung einer hochspezifischen Cer-144-Aktivitätsquelle für ein Neutrinoexperiment in Italien. (Veröffentlichung der PNAS hier)